Die Geschichte zum Fest

Das Lied längst vergangener Zeiten ertönte am Schmiedefets wieder in Groß-Felda. Der Klang des Hammers auf dem Amboß, lies die Vergangenheit wieder ein Stück näher kommen.

Der Schmied Daniel Dejos aus Bierstein hatte seine Schmiede in Groß-Felda aufgebaut, um vor den Augen der Besucher das heiße Eisen zu schmieden.

Die Schmiedekunst war einst ein bedeutungsvolles Gewerbe für Groß-Felda. In der Zeit von 1745 bis 1890 gab es im Feldatal 81 Nagelschmiede. Welche Bedeutung dieses Handwerk für Groß-Felda hat, kann man heute noch an dem Wappen der Gemeinde sehen. Auf dem Adler mit dem Jugfrauenkopf ist ein weißes Brustschild mit einem blauen Nagelschmiedehammer und vier blauen Nägeln zu sehen. Aus alten Aufzeichnungen ist zu entnehmen, daß früher rund 25 000 Nägel am Tag aus Groß-Felda geliefert wurden. Noch bis kurz vor dem Krieg 1914 bis 1918 gab es in Groß-Felda etwa 30 Nagelschmieden. Die meisten Schmieden waren 1-Mann Betriebe.

Wie Bürgermeister Ernst Uwe Offhaus mitteilte, kam es aber auch vor, daß sich Familienangehörige zusammen getan haben und so gemeinsam ihrem Broterwerb nachgingen. Die räumlichen Verhältnisse waren oft sehr beengt. Um festzustellen, ob am Tag ihr Soll erfüllt wurde, wurden am Abend im Schein der Petroleumlampe die Nägel durch die Familienangehörigen gezählt. Wie Offhaus weiter mitteilte, wurde das Eisen, aus dem die Nägel fertigt wurden auf Rollen angeliefert, von denen dann Stäbe mit einer Länge von zirka 3 Metern abgetrennt wurden, bevor dann die Nägel geschmiedet wurden. Das Eisen wie auch die benötigten Kohlen seien von Geschäftsleuten aus dem Ort geliefert worden. Die meisten Nagelschmiede hatten zwei Berufe. In den Sommermonaten arbeiteten sie als Zimmerleute, Maurer oder hatten eine eigene Landwirtschaft. Nur wenige arbeiten das ganze Jahr am Amboss. Die Arbeit sei sehr schwer gewesen. Von morgens fünf bis Abends um acht hätten die Arbeiter die Nägel mit ihrer Muskelkraft geschmiedet. In den Händen den Hammer und mit den Beinen wurde der Blasebalk angetrieben, durch diese schwere Arbeit standen den Männern die Schweißperlen auf der Stirn berichtete Offhaus. Daß tägliche Pensum eines Arbeiters lag zwischen 1000 und 1500 Stück. Trotz dieser schweren Arbeit sei der Verdienst nur gering gewesen, bemerkte Offhaus. Für 1000 einfache Schuhnägel hätten der Schmied nur 1,50 Mark erhalten. Die Nägel für die Schuhabsätze brachten jedoch infolge der Mehrarbeit bis zu 3 Mark das Tausend. Von diesem Betrag mußte dann noch der Einkauf für das Eisen und die Kohlen abgezogen werden.

Ernst Uwe Offhaus erinnert sich noch heute daran, wie ihm ein ehemaliger Nagelschmied erzählte, daß er die Nägel für die Renovierung des Alsfelder Rathauses geliefert habe. 1000 Stück habe er geliefert und damals sogar acht Mark dafür erhalten. Neben der Herstellung mußten sich der Schmied aber auch um den Absatz seiner Nägel kümmern. Schwer bepackt mir 60 oder 70 Pfund Nägeln auf dem Rücken hätten sie den Weg angetreten, um ihre Nägel an Schuhmacher zu verkaufen. Der Weg führte die Handwerker nicht selten bis nach Nidda und Friedberg. Wie Ernst Uwe Offhaus mitteilte, sei überliefert, daß die Nägel aus Groß-Felda vor allem wegen ihrer Gleichmäßigkeit und ihrer schönen Form bevorzugt wurden. Diese alte Tradition solle nun im Rahmen des Schmiedefestes wieder aufleben.

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