Posaunenchor spiel zum Gedenken

2012 Volkstrauertag

Jedes Jahr versammeln sich Bürgerinnen und Bürger des Ortsteiles Groß-Felda auf dem Friedhof um am Volkstrauertag den Opfern der beiden Weltkriege zu gedenken. Eingeladen hatte zu dieser Gedenkfeier die Ev. Kirchengemeinde und der Ortsbeirat Groß-Felda. Bläserinnen und Bläser des Ev. Posaunenchores unter der Leitung von Herbert Schott eröffneten die Gedenkfeier und begleiteten sie in ihrem weiteren Verlauf musikalisch.

In ihren Worten des Gedenkens, erinnerte Pfarrerin Susanne Gessner am Anfang ihrer Ausführungen an die Schrecken des ersten und zweiten Weltkrieges. Jahr um Jahr rückt dieses Geschehen weiter in die Vergangenheit, aber dennoch sind Angst und Schrecken nicht aus der Welt verschwunden. Es herrsche immer noch Krieg an so vielen Orten in dieser Welt. Krieg, der mit Waffen und Gewalt ausgetragen wird und an dessen Ende doch immer alle verlieren, so die Pfarrerin. Sie erzählte weiter eine Geschichte von einem Jungen, Alhaji,  aus dem Kriegsgebiet im afrikanischen Sierra Leone. Dieser war gerade 15 Jahre alt als sein erstes Leben endete. Regierungssoldaten stürmten sein Elternhaus, erschossen seinen Vater und seinen Bruder, ihn ließen sie am Leben und steckten ihn ins Gefängnis. Als die Rebellen daraus befreiten, musste er für sie kämpfen und beging in dieser Zeit unvorstellbare Grausamkeiten, auch an wehrlosen Frauen und Kindern. Er entkam jedoch mit nichts als dem Gewehr und den Kleidern, die er am Leibe trug. Er erreichte das Camp der internationalen Friedenstruppe und mit dem Hubschrauber wurde er aus dem Busch geflogen und mit einem Schiff nach Hamburg gebracht, wo er Asyl beantragte. Hubertus Adam, Leiter der Klinik für Kinder und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie hat es sich zur Aufgabe gemacht diesen traumatisierten Kindern zu helfen. Die meisten von ihnen werden jedoch abgeschoben ohne eine Zukunftsperspektive gefunden zu haben. Alhaji konnte bleiben, er fand Eltern, die ihn adoptierten, er kann es immer noch nicht glauben. Ihm ist, als sei er von neuem geboren worden. Pfarrerin Gessner machte dann einen Zeitsprung in die Vergangenheit, in eine andere Gegend der Welt, nach Deutschland. Kurz vor Kriegsende hatte eine Frau vergeblich versucht ihren Mann zurückzuhalten. Er aber machte sich mit den Männern des „Volkssturms“ auf um seine Stadt vor den vorrückenden Engländern zu verteidigen. Einige kehrten zurück, er war nicht dabei. Sie hatte wohl damit gerechnet, war seltsam gefasst, setzte sich an den Tisch um wieder in der Bibel zu lesen. Sie blieb an einem Vers aus dem Jesajabuch hängen. Die Worte darin waren eine Erlösung für sie, sie trösteten sie, sie gaben ihr die Kraft ihre Kinder großzuziehen und sie starb erst als diese aus dem Gröbsten heraus waren. Die Worte des Jesaja hatten jener Kriegswitwe Kraft gegeben um weiter zu leben.

Die eigentlichen Verlierer der Kriege sind immer die Eltern, die Frauen, die Mütter. Mit diesem bitteren Ausspruch der Bildhauerin Käthe Kollwitz begrüßte Ortsvorsteher  Robert Belouscheck die versammelte Gemeinde am Ehrenmal auf dem Friedhof in Groß-Felda. Er schlug in seiner Ansprache eine Brücke aus der Vergangenheit in die Zukunft, wo immer noch täglich Menschen in Kriegen sterben. Ihnen Allen ist der Volkstrauertag gewidmet. Angefangen bei den gefallenen Soldaten, bei denen die in der Gefangenschaft starben oder hingerichtet wurden, den vielen Vermissten und auch denen die im Widerstand Opfer der Gewaltherrschaft wurden. Er gedachte aber auch in voller Dankbarkeit und Respekt der Bundeswehrsoldaten, die bei der Verteidigcung von Freiheit und Frieden ihr Leben gelassen haben. Es gelte Frieden zu schaffen  in dem wir alle miteinander reden, aufeinander hören, uns gegenseitig helfen und uns die Hände reichen, so der Ortsvorsteher abschließend. Gemeinsam legte Belouschek mit weiteren Mitgliedern des Ortsbeirates in seinem Namen zur Erinnerung an all die Toten und Gefallenen einen Kranz am Ehrenmal nieder. Der Posaunenchor spielte dazu das Lied „Ich hat´ einen Kameraden“. Mit einem gemeinsam gesprochen „Vater unser“ und dem Schlusssegen endete die Trauerfeier.